JARA ENERGY Talks: "Wie die Energiewende gelingt - Forschung und Innovation als Motor für gesellschaftlichen Wandel"

Donnerstag, 10.10.2019, 19:00 Uhr, Couvenhalle, Karmanstr. 17-19, Aachen

 

Staatssekretär Andreas Feicht über Energiewende und gesellschaftlichen Wandel


Innovation, Forschung und Technologie als zentrale Kräfte der Energiepolitik

Die Couvenhalle bot am 10. Oktober den passenden Rahmen für die JARA-ENERGY Talks. In der vierten Auflage der Veranstaltung war Andreas Feicht, Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, bei JARA an der RWTH zu Gast und sprach über das Gelingen der Energiewende. Rund 150 Zuhörer, darunter interessierte Bürgerinnen und Bürger, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Vertreterinnen und Vertretern der Industrie, folgten seinen Ausführungen und stellten im Anschluss interessierte Fragen zum Thema. Staatssekretär Feicht konnte direkt aus erster Hand über das am Tag zuvor im Berliner Kabinett verabschiedete Klimaschutzgesetz und das zugehörige Klimaschutzprogramm berichten.

Energiewende = Stromwende

Seit mehreren Jahren werden die Energiewende und vor allem die Maßnahmen zur Erreichung der Klimaziele viel diskutiert. Staatssekretär Andreas Feicht erläuterte in seinem Vortrag „Wie die Energiewende gelingt – Forschung und Innovation als Motor für gesellschaftlichen Wandel“, dass die Energiewende bislang im Wesentlichen eine Stromwende ist und warum jetzt auch im Sinne einer Sektorenkopplung die Felder Wärmeversorgung und Mobilität zur Erreichung der Klimaziele einzubeziehen sind.
Sowohl der Kohleausstieg als auch der Umstieg auf erneuerbare Energien sind für den Staatssekretär zentrale Aufgaben, die umgesetzt werden müssen. Die Umwandlung der Stromgewinnung ist dabei an viele Faktoren gebunden. Beispielsweise muss das Stromnetz ausgebaut werden, damit es die Stromversorgung auch zukünftig zuverlässig gewährleisten kann. Neue Komponenten werden in diesem Netz ihren Platz finden, von Stromspeichern, über Wind-Offshore-Parks, bis hin zu Wasserstoffpipelines. Neue Netzkonzepte sind jedoch nur ein Schritt auf dem Weg zur sauberen Energieversorgung. Feicht plädiert in diesem Zusammenhang dafür, die Energiewende ganzheitlich und dies auch im Sinne gesellschaftlicher und politischer Akzeptanz zu betrachten.

Intelligente Förderungs- und Anreizsysteme

Reglementierungen über Gesetze und Verordnungen, so referierte Staatssekretär Feicht in seinem Vortrag, werden die Bürger nicht zur aktiven Mitgestaltung der Energiewende motivieren. Zwar wurde bereits ein Maßnahmenplan zum Klimaschutz verabschiedet, es bedarf jedoch eines Anreiz- und Fördersystems, das die Änderung der Energienutzung attraktiv macht und die Akzeptanz in der Bevölkerung steigert. Über Förderungen sollen die Bürger motiviert werden, beispielsweise Gebäudesanierungen vorzunehmen und somit den Verbrauch im Wärmebereich zu senken oder das eigene Mobilitätsverhalten zu hinterfragen. Ein angepasst steigender CO2-Preis würde darüber hinaus den Kohleausstieg beschleunigen. Feicht spricht sich dafür aus, gerade bei der Steigerung des CO2-Preises die finanziell schwächeren Mitbürgerinnen und Mitbürger im Blick zu behalten. Rückvergütungen könnten ein Mittel sein, um die Belastungen klein zu halten. Energieintensive Industrien hätten über den CO2-Preis einen ausreichend attraktiven Anreiz, um mehr und mehr auf „grünen“ Strom und Wärme umzusteigen.

Innovation, Wissenschaft und Technologie fördern

Eine Hürde auf dem Weg zur Energiewende sieht Staatssekretär Andreas Feicht im Bereich der Technologien. Wissenschaft und Forschung müssen gefördert werden, um neue Technologien in allen Bereichen der Energietechnik entwickeln zu können. Darüber hinaus müssen die Innovationen möglichst schnell in den Markt und zur Umsetzung gebracht werden. Reallabore sind ein wichtiges Instrument, um diesen Weg zu ebnen. Dabei sollte die Wissenschaft in mehrere Richtungen forschen, da leistungsstarke Stromspeicher ebenso wichtig sein werden, wie etwa effiziente Technologien zur Stromerzeugung oder -umwandlung. Staatssekretär Feicht ist sich sicher, dass die Energie- und Wärmeversorgung sowie die Mobilität der Zukunft ein vielfältiger Mix verschiedener Technologien sein wird.